Seelsorgeeinheit Sankt Maria / Heilig Geist
in Weingarten/Württ.

Unsere Partnergemeinde und Reverse-Programm

Die Freiwilligen aus unseren Gemeinden berichten…
Im vergangenen Sommer haben wir vier junge Erwachsene aus unseren Kirchengemeinden in ein Freiwilliges Soziales Jahr in die verschiedensten Länder unserer Welt entsandt. Mittlerweile haben sie sich vor Ort eingelebt und können viel Interessantes und Spannendes aus ihrem Alltag berichten. In den kommenden Wochen sollen hier kurze Berichte abgedruckt werden, in welchen die Freiwilligen von ihrem Leben berichten:


Weihnachtsgrüße aus der Ferne...
Hallo liebe Leserinnen und Leser,
Ein weiteres Mal melden wir zwei, Rahel und Clara, uns aus Bolivien, um euch noch einen etwas tieferen Einblick in das Leben an unserer Einsatzstelle in Cochabamba zu geben.
 
Von Langeweile kann man hier echt nicht sprechen – ständig wird in irgendeinem Stadtteil oder Ort gefeiert. Meistens sind es Schutzpatrone oder andere Heilige, die an mehreren Tagen in Folge durch riesige Straßenfeste geehrt werden. Wir haben bisher drei solcher Feste besucht und dabei vor allem eine große Gemeinsamkeit festgestellt: Es wird getanzt, und zwar nicht zu knapp! Meist wird zur Eröffnung eine „entrada“, ein großer Umzug, veranstaltet, der sich aus verschiedensten Tanzgruppen zusammensetzt und dann stundenlang durch die Straßen zieht.
Tanzen ist hier schon ab dem Kindergartenalter grundsätzlich ein großes Thema und es gibt kaum einen, der nicht zumindest die Grundschritte der wichtigsten Tänze beherrscht. Beispielsweise haben wir Mitte November eine große Schulvorführung besucht, bei der die Kinder aus dem Projekt, und zwar ganz egal ob Kindergartenkinder oder Oberstüfler, einen Beitrag leisteten, darunter eben auch jede Menge traditioneller Tänze (einer davon involvierte auch verschiedenste Haustiere, die für die Dauer der Vorstellung in Käfigen auf den Rücken der Kinder ausharren mussten).
 
Und - wer hätte es gedacht – natürlich müssen auch wir hin und wieder ran. Erst neulich fand etwa zu Ehren der Maria de Guadalupe, der Schutzpatronin der Kapelle von Piñami Chico, ein Fest statt und  die Jugendgruppe Mink'As, die sich größtenteils aus Projektteilnehmern zusammensetzt, hat zu diesem Anlass alle Kinder aus dem „Barrio“ eingeladen, den Tanz der Afro-Bolivianer, die „Saya“, einzustudieren. Wir waren natürlich ganz vorne mit dabei und nach zwei Wochen des täglichen Probens und einem Samstag in Rock und Riemen-Sandälchen waren wir nicht nur um eine große Auswahl an erlernten Tanzschritten, sondern auch um die ein oder andere Blase an den Füßen reicher.
 
Im Tanzen äußert es sich ganz besonders stark, aber auch sonst ist uns schnell bewusst geworden, dass die Tradition und die Kultur hier einen sehr hohen Stellenwert haben. Die verschiedenen Trachten der indigenen Bevölkerung, die man immer und überall zu sehen bekommt, sind da ein Beispiel, aber es wird auch ganz aktiv dafür gesorgt, dass so etwas wie das Quechua (die Sprache des Volkes der Quechua) , nicht verlorengeht – in der Schule lernt heute fast jedes Kind ein paar Grundlagen, wenn es die nicht sowieso schon von seinen Eltern oder Großeltern gelernt hat oder selbst Muttersprachler ist.
 
Indigene Tradition und Kultur ziehen sich durch alle Bereiche, unter anderem findet sie auch ihren Weg in den ansonsten überwiegend sehr katholischen Glauben der Bevölkerung. Die „Pachamama“, also Mutter Erde, und damit eine der wichtigsten Figuren der Religion der indigenen Völker, ist hier nämlich für alle von großer Bedeutung. An dieser Stelle berichten wir vielleicht kurz vom Allerheiligen-/Allerseelen-Fest, das wir in der „Provinzhauptstadt“ Independencia zugebracht haben: Im einen Moment lauschten wir da auf dem Friedhof der Predigt, im nächsten geht es dann plötzlich von Grab zu Grab, um jeweils ein paar Vaterunser und Ave Maria zu beten und dafür jedes Mal Essen und auch das ein oder andere alkoholische Getränk als Entlohnung abzustauben. Von selbigem Getränk wird dann oft auch ein großzügiger Schluck an die oben erwähnte „Pachamama“ geopfert. Nicht wenige verlassen den Friedhof an diesem Tag trotz allem auf wackligen Beinen.
 
Wenn wir schon beim Glauben sind – Weihnachten ist nicht mehr weit!
Das heißt für uns, dass wir uns was unsere Arbeit im Projekt angeht ein bisschen im Ausnahmezustand befinden. Die Kinder haben Schulferien und so verbringen wir die Morgen in Piñami mit Inventur – wir zählen Legosteine, tippen Listen in den PC, putzen, spülen und verräumen. Mittags kommen die Kinder dann zum Ferienprogramm, das sich „Colonia navideña“ nennt. Da wird gebastelt, gespielt und gebacken und für Heilig Abend üben wir auch schon fleißig an einem Krippenspiel und lernen ein paar Weihnachtslieder.
Ein bisschen deutsche Weihnachtskultur haben wir aber auch schon unter die Leute gebracht – nachdem uns aus der Heimat ein ganz echter Christstollen geschickt worden war, haben wir diesen prompt an einem Dienstagabend in die Andacht mitgebracht und verteilt, was tatsächlich sehr gut ankam.
 
Das einzige Problem bei Weihnachtsstimmung sind die hiesigen Temperaturen. So richtig schlau werden wir aus dem Klima immer noch nicht - innerhalb weniger Stunden schwankt man da manchmal zwischen Schweißausbrüchen und unangenehmem Frösteln. Insgesamt wird man die Sonne, die hier dank der Höhenlage mit einer unglaublichen Kraft vom Himmel brennt, aber jedenfalls nie ganz los, denn Cochabamba wird ja nicht umsonst oft „Stadt des ewigen Frühlings“ genannt. Im Moment befinden wir uns in der Regenzeit, aber ansonsten merkt man wohl keinen allzu großen Unterschied zwischen den Jahreszeiten, was zur Folge hat, dass man gar nicht merkt, wie schnell die Zeit vergeht.
Wir können also wirklich nicht so richtig fassen, dass Weihnachten jetzt tatsächlich schon vor der Tür steht. Es fühlt sich an, als seien wir gerade erst ins Flugzeug gestiegen. Auf jeden Fall aber senden wir euch aus unserer Freiwilligen-WG und auch im Namen der Partnergemeinde Cruz Gloriosa herzliche Grüße und wünschen euch frohe, gesegnete Weihnachten und alles Gute für das Neue Jahr.
Rahel und Clara 


Leben und arbeiten in der Partnergemeinde
Hallo! Wir sind Clara Schwab und Rahel Hildebrand und sind seit September hier am Rande Cochabambas in unserer Partnergemeinde Cruz Gloriosa. Seitdem ist schon sehr viel passiert und wir haben viel erlebt. Hier ein kleiner Einblick in unseren Alltag:
Zusammen mit Johanna aus Bamberg wohnen wir in einer kleinen Wohnung direkt neben der Kirche, die uns jeden Morgen mit ihrem Glockengeläut aus Lautsprechern weckt. Viermal die Woche arbeiten wir im Projekt "Piñami Chico", das vom Partnerschaftskreis "en contacto" unterstützt wird. Nach einem kurzen Morgenspaziergang dorthin helfen wir, das Mittagessen für die Schulkinder vorzubereiten. Dinge wie Kartoffeln mit dem Messer schälen und Keks-Massenproduktionen für den Nachmittagssnack laufen schon wie geschmiert. Gegen halb 2 trudeln die Kinder ein und nach kollektivem Hände-Waschen gibt es dann Essen. Danach geht es gemeinsam an die Hausaufgaben; dafür teilt sich die Gruppe von ca. 50 Kindern in zwei Gruppen: die 4- bis 10-Jährigen gehen nach oben, die 11- bis 17-Jährigen bleiben unten. Dann gibt es erstmal eine Aufgabe vom Projekt, die wir oft schon selber vorbereiten, und danach helfen wir so gut es geht beim Lesen Lernen, schriftlich Dividieren und allem, was sonst gebastelt und aufgeschrieben werden muss. Gegen 5 gibt es dann einen kleinen Snack – Milchreis, Butterbrote oder Kekse – und dann geht´s nach Hause. Manchmal besuchen wir im Anschluss ein paar Familien. Spätestens da merkt man, dass Bolivien das ärmste Land Lateinamerikas ist. Beispielsweise hat eine alleinerziehende Mutter ihre vier Kinder für drei Monate allein gelassen, um nach Chile zu reisen und dort wenigstens etwas zu verdienen. Die älteste Tochter mit 10 Jahren ist in dieser Zeit für Haus und Geschwister verantwortlich. Mit Armut kommen wir auch bei unserer zweiten Arbeit in Berührung. Montags und donnerstags helfen wir morgens in einer kleinen Bäckerei in einem Viertel an den Berghängen Cochabambas mit. Die Frauen, die dort arbeiten und die Brote später für 50 centavos (ca. 6-7 Cent) verkaufen, sprechen meist nur Quechua, eine indigene Sprache. Mittags helfen wir auch in einer Hausaufgabenhilfe mit. Am Können und der Konzentrationsfähigkeit der Schüler merkt man ganz deutlich, dass die Lebensschwerpunkte in diesem "Armenviertel" ganz woanders liegen. Es gibt auch schon jüngere Mädchen, die im typischen Cholita-Outfit kommen. Sonntags gehen wir abwechselnd in die kleine Kapelle neben Piñami Chico und nach Cruz Gloriosa – Vater Unser, Ave Maria und Hochgebet können wir schon auf Spanisch! Manchmal verbringen wir Zeit mit der Erstkommuniongruppe oder den Firmlingen. Zum Beispiel als Marco, der ab nächsten Sommer ein Jahr in Weingarten als Freiwilliger verbringen wird, Geburtstag hatte. Es gab Torte und zum Abschluss wurde er mit Eiern und Mehl beworfen. Außerdem geben wir ein wenig Deutschunterricht für Marco und ein paar andere Interessierte haben sich auch noch gefunden. Dienstags ist in der "Brüder-WG" von unserem Verantwortlichen Bruder José Luis eine kleine Andacht; da lernen wir Glauben nochmal von einer ganz anderen, herzlichen und offenen Seite kennen! Und auch sonst gibt es immer viel zu tun, sei es ein Fußballturnier von Piñami Chico, Grillfeste oder Besinnungstage von den "Amigos de San José", eine andere Kirchengruppe. Inzwischen sind wir eingetaucht in die bolivianische Kultur und das Leben hier. Jeden Tag gibt es neue Dinge zu entdecken und auch zu verarbeiten; die Realität hier ist einfach ganz anders als man es sich im organisierten Deutschland vorstellen kann. Uns geht es richtig gut und wir können diesen Freiwilligendienst in unserer Partnergemeinde, von der man sonst nur immer im Gottesdienst hört, allen Schulabgängern und anderen Interessierten wärmstens ans Herz legen!  Vieles mehr über unser Leben können Sie gerne in unseren Blogs nachlesen (claraschwab.ayopaya.de & rahelhildebrand.ayopaya.de). Fragen über das FSJ beantworten wir auch gerne per Mail (clara.schwab@gmx.de und hil.ra1499@gmail.com).
Einen schönen Advent wünschen Ihnen
Clara und Rahel 


Pedro, unser Reverse Freiwilliger,
ist wieder zurück in Cochabamba und schickt uns Grüße:
Liebe Weingarten, liebe Sankt María und liebe Heilig Geist viele viele grüße für Pfarrer Benno, für meine Gastfamilien,  für meinen Kindergarten, die grupo en encontacto und für die ganze Gemeinde von Weingarten.
Ich freue mich sehr immer wenn ich jetzt zurückblicken.
Jetzt warte ich für das nächstes Jahr, wegen meiner Uni. Ich werde Elektromechanik studieren. 
Meine Flugplan hat dieses mal genau geklappt. Ich war pünktlich in La Paz
Ich habe als erstes eine kleine Besuchswoche in La Paz gemacht und dann bin ich nach Cochabamba gefahren.
….. ich habe meine Vorstellung für Piñami Chico gemacht und denke ich das war auch richtig gut und schön.
Ich wünsche alles gute für euch und Gott segnete euch und ganz Weingarten. Manchmal ich vermisse dass die Leute pünktlich kommen oder die Busse eine bestimmte Haltestelle haben
Ich werde nie euch vergessen ihr seid jetzt in mein Herz und für immer in meinem Leben. Wegen euch ich habe jetzt immer viel Lust zum etwas machen und will Leuten helfen.
Liebe grüße von mir und meiner Familie
Atentamente: Pedro Quino 


Weltkirchliches Reverse Programm
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart bietet in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung Weltkirche, dem BDKJ, sowie den Partnerdiözesen in den Ländern des Südens einen missionarischen Dienst für junge Erwachsene an: den Weltkirchlichen Friedensdienst (WFD).
 
Mitglieder des WFD machten sich dafür stark, dass aus der „Einbahnstraße WFD“ eine wirkliche Partnerschaft werde.
Junge Menschen aus den Partnerländern sollen ebenfalls die Möglichkeit bekommen, eine vergleichbare Erfahrung in unserer Diözese zu machen, damit Partnerschaft erlebbar wird.
Um die Einbahnstraße dieses Freiwilligendienstes zu beenden wurde das sogenannte Reverse-Programm entwickelt. Junge Menschen aus Lateinamerika erhalten somit die gleichen Chancen zu interkulturellem Lernen, wie diese deutschen Jugendlichen geboten werden. In diesem einjährigen Freiwilligendienst leben sie in Kirchengemeinden, erhalten Einblick die vielen Einrichtungen der Kirchengemeinde und arbeiten dort mit.
 
Im Reverse Programm übernimmt die Diözese die Organisation für einen Aufenthalt hier in unserer Diözese
 
Für den Arbeitskreis
en contacto
Marianne Doser