Seelsorgeeinheit Sankt Maria / Heilig Geist
in Weingarten/Württ.

Geistliches Wort


„Der König kommt!“


Eine solche Ankündigung versetzt in manchen Ländern die Menschen regelmäßig in Aufregung und Begeisterung. Aber auch hier bei uns ist diese Spannung bei manchen Gelegenheiten schon zu spüren gewesen.

Viele von uns können sich noch an so manche schillernde, königliche Hochzeit oder den Besuch eines gekrönten Hauptes erinnern, die tausende von Menschen verfolgt haben und regelrecht daraufhin gefiebert haben. Welche Gedanken einem da durch den Kopf schießen würden, wenn man gar eingeladen wäre und erwartet würde.

Jesu Königtum ist nicht ganz so glamourös, die Leute zu seiner Zeit jubeln ihm nicht zu, ganz im Gegenteil, sie wollen seinen Tod und deshalb liefern sie ihn Pilatus aus.

Die Szene, in der Jesus vor Pontius Pilatus steht, gehört für mich zu den am tiefsten berührenden Szenen im ganzen Johannesevangelium. Der Verurteilte vor dem Repräsentanten des römischen Kaisers, der ihn fragt: „Bist Du der König?“ Und Jesus antwortet: „Du sagst es, ich bin ein König.“ Ist das nicht, wenn man es realistisch betrachtet, grotesk? Jesu Krone ist nicht edelsteingeschmückt. Seine Herrschaft vollzieht er nicht durch Beliebtheit oder mit Macht, sondern durch Machtlosigkeit, Liebe und Hingabe.

Jesu Königreich ist nicht von dieser Welt und weil sein Anspruch auch kein irdischer ist, kann er nicht ausgelöscht werden, selbst nicht durch seinen Tod am Kreuz. Für seine Jünger leuchtet gerade am Kreuz der Gottesglanz in ihm auf. In ihm beugt sich das Ewige, Gott selbst herab, zeigt sich solidarisch mit dem Leiden und der Ungerechtigkeit der Welt. Es ist eine radikale Umkehrung der Verhältnisse, die wir gewohnt sind.

Unrecht gehört zu unserer Realität, in schlechten wie in besseren Zeiten, das erleben wir immer wieder. Das Christkönigsfest, das die Katholische Kirche am kommenden Sonntag feiert, wurde 1925 von Papst Pius XI. in unruhigen Zeiten zum ersten Mal begangen. Dieser Hintergrund gibt ihm auch sein Profil. Führer, König und Herr ist der ewige Gott, der in Christus in die Welt gekommen ist, keine Willkürherrscher.

Jesus ist nicht irgendein Guru, er ist ein König, der gekommen ist, für die Wahrheit Zeugnis zu geben, dafür, dass einmal Recht und Gerechtigkeit herrschen werden. Jenen, die ihm nachfolgen, hat er die Würde von Königen gegeben und sie zu Priestern und Propheten gemacht. Sie sollen, indem sie auf seine Stimme hören, als Mittler zwischen Gott und den Menschen wirken. Eine atemberaubende und aufregende Weltsicht, wie ich finde.

Text: Nicolas Groß (Pastoralassistent Seelsorgeeinheit St. Maria/Hl. Geist)
Bild: Florian Neuner
In: Pfarrbriefservice.de